TZÜRICH - INTERAKTIONSRHYTHMEN IN EINER PERFEKTEN STADT
EINE MUSIKALISCHE RÜCKANEIGNUNG IN 3 STATIONEN

Im Städteranking der Beratungsfirma Mercer figurierte Zürich im Jahr 2013 auf Platz eins. Das Ranking dient internationalen Firmen zur Berechnung von „Härte-Vergütungen“ für zu entsendende Mitarbeiter. Diese normierende Aussenperspektive steht in der Kritik, wirkt aber dennoch auf die Innensicht zurück. Wie kann die Musik zu einer Rückaneignung beitragen?

Mit Jörg Köppls Jahreskonzept tzürich – Interaktionsrhythmen in einer perfekten Stadt bewegt sich das ENSEMBLE TZARA aus den Musiksälen und Konventionen der Neuen Musik heraus. In drei, über das Jahr verteilten Veranstaltungen untersucht es Rhythmen und Stimmungen dieser Stadt. Die Spots sind: Verkehr (pulsen), Handel (sirren), Gruppen und Vereinzelung (lachen). Wir lassen Motorräder heulen, decken den Grundton Europas auf und kitzeln das verstummte Publikum.

Für das ENSEMBLE TZARA ist die Konzertsaison 2015/16 die Premiere eines neuen künstlerischen Konzepts. Künftig wird mit jeder Spielzeit die künstlerische Leitung wechseln: Ein externer, »spartenfremder« Kurator erarbeitet gemeinsam mit dem Ensemble ein Jahresprogramm, welches Brücken zu anderen Kunstrichtungen schlägt. Wir freuen uns sehr, dass die Fondation Nestlé pour l’Art von unserem Konzept so angetan war, dass sie es mit einer langfristigen Partnerschaft unterstützt und begleitet.

Jörg Köppl

Der Audio- und Performancekünstler Jörg Köppl studierte Bildende Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste. Er bildete sich weiter in Komposition u. a. bei Thomas Kessler im Elektronischen Studio Basel, bei Edu Haubensak und Peter Ablinger. Die langjährige Zusammenarbeit im Performanceduo mit Peter Zacek führte zu Einladungen an namhafte Institutionen und Festivals, u. a. in Paris, Belgrad und London. Fasziniert vom Medium Radio konzipert Jörg Köppl experimentelle Radioprojekte, die an Festivals, wie der Ars Electronica und Bienal de Sao Paulo oder in eigener Regie (Zürich und Kairo) aufgeführt wurden.

In den vom Nationalfonds geförderten Forschungsprojekten NOW untersuchte er die auditive Zeitwahrnehmung. Die Beobachtung von melodischen und rhythmischen Interaktionen bei Sprechstimmen, führten ihn dazu, die Zeit als gesellschaftliche Synchronisierung aufzufassen und Interaktionsrhythmen nicht als Taktschlag für einen geregelten Austausch von Informationen zu sehen, sondern als das, was eigentlich gemeint ist.

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